Futtermäkler - wenn ein alter Hund schlecht frisst

Wegen der Diagnose HD, die wir bekamen, als Sandy etwa ein Jahr alt war, haben wir von jeher darauf geachtet, sie schlank bis sehr schlank zu halten und sie getreidefrei zu ernähren. Während sie bis vor einigen Jahren beinahe ein Allesfresser war und Futter regelrecht wie ein Staubsauger inhaliert hat, wurde sie im Alter zunehmend wählerischer und mäkeliger. Es kommt nicht selten vor, dass sie ihr Futter gar nicht anrührt oder die Hälfte davon stehen lässt - was früher undenkbar war.

Nun sagt man, vermutlich zu Recht, dass ein Hund, der immer schlank war, im Alter nicht fett wird. Das ist natürlich ein Problem, denn während in jungen Jahren die extrem schlanke Figur für ihre Gesundheit wünschenswert und unproblematisch war, sollte man bei einem älteren Hund unbedingt zusehen, dass er nicht mehr zu dünn ist, denn im Krankheitsfall hat er dann keine Reserven mehr.

Sandy wog immer ungefähr zwischen 22 und 23 Kilogramm. Nun (während ich diesen Artikel schreibe, ist sie 13 Jahre und 5 Monate alt) hat sie knapp über 24 Kilogramm und ist dabei immer noch schlank. Dass sie dieses Gewicht auch beibehält, ist ein ständiger Affentanz.

Aus Überzeugung füttere ich - bis auf eine kurze BARF-Episode, die ich aufgegeben habe, weil das BARFen mir nicht liegt und ihr nicht so gut bekam, wie ich es für wünschenswert hielt - seit jeher Trockenfutter und Dosenfutter; konsequent getreidefrei - oder korrekterweise eher glutenfrei. Während ich früher dieselbe Sorte Trockenfutter monatelang oder auch jahrelang kaufen konnte, ist es nun seit einiger Zeit ein ständiges Ausprobieren und Antesten neuer Sorten. Mittlerweile habe ich nun einige Erfahrungen gesammelt, von denen ich gern erzählen möchte. Natürlich ist jeder Hund anders und hat andere Vorlieben, aber vielleicht findet sich hier der eine oder andere Tipp für Hundehalter, die noch mehr oder weniger verzweifelt versuchen, ihren mäkeligen Hund wieder ans Fressen zu bekommen.

Mit Schmerzen schmeckt gar nichts

Das ist vielleicht die wichtigste Erfahrung, die ich gemacht habe. Sandy ist ein Hund, der sich erst etwas anmerken lässt, wenn es wirklich schon arg ist. Sie war schon immer absolut tough, also völlig hart im Nehmen. Gejammert wurde nur, wenn die Schmerzen stark waren - und so ist sie bis heute.

Diagnostiziert sind bei ihr außer der HD zwei Stellen mit Spondylose an der Wirbelsäule. Außerdem macht ihr linker Hinterlauf seit etwa ihrem 10. Lebensjahr immer wieder Probleme. Links ist die Seite, die stärker von der Hüftgelenksdysplasie betroffen ist. Ob diese Schmerzen verursacht oder alterstypische Arthrose, kann nicht eindeutig abgeklärt werden.

Außer einer Lahmheit ist Futterverweigerung ein deutliches Anzeichen bei Sandy, dass sie Schmerzen hat. Herausgefunden habe ich das über Monate, indem ich ihr Schmerzmittel/Entzündungshemmer (Cimalgex) testweise abgesetzt und dann ihr Verhalten beobachtet habe. Meistens hat sie schon am nächsten Morgen (nach dem ersten Abend ohne Tablette) das Frühstück verweigert und war vom Verhalten her deutlich unmotiviert und in sich gekehrt.

Will heißen: Verweigert ein Hund das Futter, ohne dass er generell ein Futtermäkler ist, rate ich ganz dringend dazu, als erstes vom Tierarzt abklären zu lassen, was dahinter steckt. Bei einem Hund, der ohnehin regelmäßig nicht fressen will, weil es ihm einfach nicht so richtig schmeckt, ist es schwieriger herauszufinden, ob Schmerzen eine Rolle spielen. Ich glaube aber, dass jeder, der eine gute Bindung zu seinem Hund hat und ihn schon lange kennt, ein Gespür dafür bekommt.

Was schmeckt dem älteren Hund?

Schmecken und Riechen sind zwei eng miteinander verbundene Sinne, und es ist ganz natürlich, dass sie im Alter nachlassen. Ein alternder Hund findet in seinem bisher gewohnten Futter vielleicht keinen Anreiz mehr, weil es für ihn kaum noch riecht und nach nichts mehr schmeckt. Das Trockenfutter ist ihm möglicherweise zu hart, das Kauen zu anstrengend.

Normales Trockenfutter habe ich mittlerweile ganz von Sandys Speiseplan gestrichen; statt dessen kaufe ich weiches Trockenfutter (oft unter der Bezeichnung "soft" zu finden). Es hat einen höheren Feuchtigkeitsanteil und ist daher leichter zu kauen. Außerdem riecht es dadurch ein klein wenig intensiver.

Das allein hat jedoch nicht geholfen. Trockenfutter bzw. Softfutter pur rührt Sandy nur selten an.

Tipps und Tricks für mehr Geschmack

Sandy bekommt seit Januar 2017 Collagile Dog, und dieses Pulver lässt sich am besten im Nassfutter unterrühren. Abends ist ihr Appetit fast immer sehr gut, so dass sie ihre Portion, bestend aus etwa 300 g Dosenfutter plus etwas Softfutter, komplett vertilgt. Daher bekommt sie das Collagile abends.

Viel mehr als das würde sie abends aber wohl auch nicht mehr schaffen. Für einen älteren Hund würde ich daher die Gesamtfuttermenge des Tages immer auf mindestens zwei, besser drei Portionen aufteilen. Bei uns ist allerdings schon diese zweite Portion, die sie am Vormittag bekommt, immer wieder ein Kampf, und hierfür habe ich einige Strategien entwickelt.

  • Abwechslung. Jeden Tag gibt es eine andere Sorte Nassfutter, auch die Hersteller variieren wir.
  • Noch weicher machen. Mit etwas heißem Wasser wird Dosenfutter breiiger.
  • Warm machen. Die Morgenportion kommt grundsätzlich vorher in die Mikrowelle (unbedingt darauf achten und testen, dass das Futter warm, aber nicht heiß ist!). Warmes Futter riecht und schmeckt viel intensiver!
  • BARF als Besonderheit. Sandy und Kari fahren total auf Grünen Pansen ab. Mir wird vom Geruch immer leicht mulmig, und eigentlich will ich sie bedauern, dass sie das essen "müssen", aber bei beiden ist der Napf danach blitzeblank ausgeleckt.
  • Leberwurstsuppe. Ein Stückchen Leberwurst ins Glas, etwas heißes Wasser drüber, umrühren, über das Futter geben.
  • Würstchen. Bockwürstchen warm machen, in kleine Stückchen schnippeln, unter das Futter mischen.
  • Thunfisch. Thunfisch aus der Dose mit Wasser spülen, damit er nicht mehr so salzig ist. Entweder solo als Zwischenmahlzeit oder zum Futter mischen.

Erlaubt ist, was dem Hund schmeckt und nicht schadet

Bei einem alternden Hund kann man die Zügel etwas lockerer lassen, was die Ernährung angeht. Natürlich propagiere ich nicht, irgendwelchen Schund zu füttern oder gar Dinge, die Gesundheit oder Leben des Hundes gefährden.

Beim Futter wie auch bei der Gabe von Schmerzmitteln habe ich abgewogen, was ich für sinnvoll halte. Beispiel Schmerzmittel: Es kann Nebenwirkungen haben und auf lange Sicht möglicherweise Organe schädigen. Verträgt mein Hund es aber gut, dann kann dieses Schmerzmittel ihm ein schönes restliches Leben ohne Schmerzen schenken. Was ist besser: Ein glückliches Jahr ohne Schmerzen oder eineinhalb, die Quälerei sind?

Beim Futter frage ich mich also nicht mehr jedes Mal: Ist das wirklich gesund? Enthält das alle Nährstoffe, die mein Hund braucht? Ich kaufe zwischendurch auch mal ein paar billige Dosen Hundefutter aus dem Discounter, bei denen der Inhalt ein wenig wie Gulasch aussieht und viel Saft enthält. Sandy und Kari lieben es. Es ist Zucker drin. Find ich Scheiße, aber für ab und an mal ist mir das Wurscht!

Wichtig finde ich jedoch, dass das Futter für einen Hund mit Gelenkerkrankungen weiterhin getreidefrei bzw. laktosefrei ist. Ich bin mir nicht sicher, ob und wie sehr das tatsächlich eine Rolle spielt. Aber bislang hat es super funktioniert, und getreu dem Motto "Never change a running system" werde ich weiterhin daran festhalten. (Übrigens für jeden Hund, unabhängig ob eine (diagnostizierte) Gelenkerkrankung vorliegt oder nicht!)

Und Leckerchen? Wir haben seit längerer Zeit pupstrockene Kekse. Getreidefrei, bestehend aus Truthahn und Kartoffel. Ich habe noch keinen Hund erlebt, der darauf nicht abgefahren ist, und auch Sandy, mag sie noch so einen schlechten Tag haben, nimmt sie immer. Ich glaube, ich könnte sie komplett von diesen Hundekeksen ernähren. Sie sind unser Notnagel. Wenn sie ihr Frühstück doch mal wieder stehen lässt - trotz aller Tricks und Kniffe - dann bekommt sie reichlich von diesen Hundekeksen, wohl wissend, dass ich die empfohlene Maximaldosis schon morgens um 10 Uhr überschritten habe.

An manchen Tagen ist es für mich eben nur wichtig, Kalorien in diesen wunderbaren, zauberhaften, entzückenden Hund zu bekommen.

Generelle (altersunabhängige) Appetitlosigkeit beim Hund

Natürlich können auch jüngere Hunde Appetitlosigkeit zeigen. Wenn ein Hund, der ansonsten mit Begeisterung frisst, plötzlich das Futter verweigert, sollten die Alarmglocken schrillen, denn es kann eine ernste Erkrankung der Grund sein. Vielleicht ist es auch nur ein harmloser Infekt - so oder so, Nahrungsverweigerung von heute auf morgen sollte immer genau im Auge behalten werden. Im Zweifel ist selbstverständlich der Tierarzt aufzusuchen.

Es gibt aber auch Hunde, die generell keine große Freude am Fressen haben. Manche dieser Hunde sind einfach ziemlich verwöhnt worden und daher besonders wählerisch, was ihr Futter angeht. In anderen Fällen schmeckt dem Hund das Futter möglicherweise einfach nicht. Das hat nichts damit zu tun, dass der Vierbeiner seinen Menschen ärgern möchte. Vielleicht fehlt einfach etwas Abwechslung? Ist das Futter minderwertig? Kann der Hund schlicht kein Trockenfutter mehr sehen?

Wer seinem vierbeinigen Freund schon alle möglichen tollen Futtersorten angeboten hat, kann es auch mal mit Appetitanregern versuchen. In dem informativen Artikel Die besten Appetitanreger wird ein solcher vorgestellt, und darüber hinaus finden sich noch weitere tolle Tipps, die ich hier noch nicht genannt habe.

Fazit: Gib nicht auf. Füttere gesund und abwechslungsreich. Finde heraus, was dein Hund mag und was nicht. Gute Ernährung hilft, den geliebten Freund lange gesund und fit zu halten.

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