Kastration

Hilfe, mein Hund wird kastriert

Eigentlich hatte ich gar nicht vor, meine Hündin kastrieren zu lassen, aber erstens kommt es halt anders und zweitens ... Heute bin ich froh, dass sie kastriert ist; das allerdings in erster Linie aus Tierschutz-Sicht.

Sandys erste Hitze begann am 3. September 2005; also etwa mit dreizehn Monaten, wenn der TA sich hinsichtlich ihres Alters damals nicht völlig verschätzt hat. Die Läufigkeit hatte sich schon zwei bis drei Wochen vorher angekündigt: Sandy wurde immer unaufmerksamer, schnupperte mehr und pieselte häufiger.

Gestank und dunkles Blut während der Läufigkeit

Als sie dann die ersten dunkelrotbraunen Blutstropfen verlor, schien noch alles in Butter. Ein paar Tage später fing sie enorm an zu stinken; nicht der ganze Hund, sondern ihr Ausfluss. Als sich dann am 7./8. Tag der Läufigkeit die Standhitze ankündigte, war ich noch beunruhigter, weil die Farbe des Blutes sich immer noch nicht verändert hatte, sie weiterhin unangenehm roch und sehr viel Blut verlor.

Am 12. September fuhr ich mit ihr zum Tierarzt, der gleich nach einem kurzen Schnuppern an ihr mit Sicherheit sagen konnte, dass etwas nicht in Ordnung ist. Abtasten ergab einen Verdacht auf eine Gebärmutterentzündung. Die Blutwerte bestätigten diesen Verdacht anschließend.
Wir hatten zwei Möglichkeiten: Eine Antibiotika-Therapie mit der sicheren Annahme, dass sie diese Probleme auch bei den folgenden Läufigkeiten bekommen würde - oder die Kastration, und diese so schnell wie möglich.

Ich bin niemand, der eine Hündin aus reiner Bequemlichkeit kastrieren lassen würde, aber nun war hier eine deutliche medizinische Indikation gegeben, und so stimmte ich der Kastration zu. Diese wurde gleich am Tag darauf durchgeführt.

Sandy wurde am 13. September um 18 Uhr in einen - hoffentlich süßen tiefen - Schlaf versetzt. Die OP verlief ohne Probleme.

Eine Woche nach der OP sah die Narbe schon sehr gut aus. Sandy hatte keine Schmerzen mehr und war wieder so aktiv wie vor der OP. Natürlich haben wir sie noch eine Weile geschont.

Kastrations-Narbe
Die Narbe drei Wochen nach der OP

Heute ist die Narbe nicht mehr zu sehen und auch nicht mehr zu ertasten.

Auswirkungen bzw. Folgen der Kastration

Die Kastration hatte keine weiteren Auswirkungen, weder auf Sandys Verhalten noch auf ihre Gesundheit.

Dass kastrierte Hunde zwangsläufig zunehmen, ist ein Ammenmärchen, denn ob ein Hund zunimmt oder nicht, hängt von Futtermenge und Bewegung ab – Schilddrüsenerkrankungen natürlich ausgenommen. Sandy nahm nach der OP kein Gramm zu und hält bis heute ihr Gewicht.

Kari – kastrierter Rüde

Als Hund aus dem Tierschutz kam Kari bereits kastriert bei uns an. Ich kann daher natürlich nicht beurteilen, inwiefern sich seine Kastration auf sein Verhalten ausgewirkt hat. Er ist ein absolut verträglicher Hund, der niemals Ärger sucht und pöbelnden Artgenossen grundsätzlich lieber aus dem Weg geht.

Kastration generell – aus Tierschutzgründen ein Muss

Ich weiß, dass sich bei diesem Thema – wie bei vielen anderen Themen rund um den Hund – die Geister scheiden. Viele Kastrationsgegner argumentieren, dieser Eingriff sei gegen die Natur und ohne medizinische Indikation ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Nun, wenn dem so wäre, würde sich wohl jeder kastrierende Tierarzt strafbar machen.

Ich will an dieser Stelle aber gar nicht groß lamentieren. Ich habe mittlerweile eine feste Meinung zur Kastration und gebe auch gerne zu, dass das nicht immer so war. Erst, nachdem ich mich in den letzten Jahren vermehrt mit dem Thema Tierschutz, speziell Auslandstierschutz, beschäftigt habe, wurde für mich ganz klar, dass für mich der mit der Kastration einhergehende Tierschutzgedanke im Sinne von Vermeidung ungeplanter Würfe über der körperlichen Unversehrtheit eines Hundes steht.

Ich sehe täglich Hunde auf meiner Facebook-Timeline, die niemand will. Die meisten davon vegetieren auf kaltem Betonboden in engen, dreckigen Zwingern vor sich hin. Viele davon wären ohne größere Probleme tolle Familienhunde. Aber es sind so viele, dass nur ganz wenige Glückspilze aus diesem Elend herausgeholt werden können. Unter anderem, weil es nur wenige Menschen gibt, die auf einen Welpen vom Züchter verzichten wollen.

Jeder ungeplante Wurf, der zu den ohnehin vorhandenen Rassewelpen hinzu kommt, verringert in meinen Augen die Chancen für Tierschutzhunde noch weiter. Jeder "Unfall-Welpe" ist einer zu viel. Und es gibt sie zuhauf. Kastrationsgegner behaupten alle, sie würden ihre läufige Hündin für "die paar Tage" ja wohl unter Kontrolle halten können. Dennoch passiert es immer wieder; der letzte mir bekannt gewordene Fall ist gerade zwei Wochen her.

Nun bin ich doch ausschweifend geworden. Ich will niemanden missionieren, freue mich aber, wenn es mir doch gelingt, den einen oder anderen zumindest zum Nachdenken zu bringen und sich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen.

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