Eine von vielen.
Nicht jung. Nicht schön.
Aber jetzt
eine von uns.

Neri - der Hund, den ich nie ausgesucht hätte

Neri hieß früher Arizona. Den Namen habe ich ihr selbst gegeben: nämlich 2016, als ich ihre Patin wurde. Niemand wollte sie je haben, die zottelige, nicht mehr junge Hündin mit den O-Beinen. Wie ich ihre Patin wurde? Nun, es gab einen Schwung Bilder von patenlosen Hunden aus ihrem Shelter bei Facebook. Ich wollte eine Patenschaft übernehmen und suchte mir einfach den Hund aus, von dem auf dem Bild am wenigsten zu erkennen war. Ich dachte mir: Die nimmt sonst eh keiner. So sollte es nicht nur mit der Patenschaft sein.

Als unsere liebe Sandy noch lebte, ertappte ich mich zwischendurch mal bei dem kurzen Gedanken, ob wir nach Sandys Tod nicht vielleicht diese Hündin adoptieren sollten. Solche Gedanken fühlen sich schrecklich an, man fühlt sich verräterisch, und doch gebe ich zu, dass ich sie hatte. Sandy war fast 16, es war klar, dass wir keine Ewigkeit an Zeit mehr zusammen haben würden. Daher war es okay, so zu denken – rein rational betrachtet.

Für Neri war es gut, dass ich darüber schon nachgedacht hatte, denn ich hätte sie sonst wohl nicht ausgesucht. Aber da ich wusste, dass wir ihr einzige Chance sind, dass sie sonst niemand nehmen würde, konnte ich keine andere Entscheidung treffen als diese.

Fozzie Bär - das Zottelmonster

Warum ich sie auf "normalem Weg" nicht ausgesucht hätte? Ich mag eigentlich lieber eher kurzhaarige Hunde in deutlicher Schäfi-Mix-Optik. Und ich hätte mir, wäre Arizona nicht gewesen, wohl eher einen alten Hund ausgesucht – also einen wirklich alten und nicht einen irgendwo in der Mitte des Lebens.

Aber was soll's, dachte ich mir. Größe und Gewicht passen (ich muss sie halt im Notfall die Treppe herauftragen können), soll sie kommen. Und so reiste Arizona bereits einen Monat nach Sandys Tod zu uns und zog am 06.06.2020 bei uns ein. Sie bekam den Namen "Neri", was hebräisch ist und "Licht" bedeutet. Weil Arizona einfach kein alltagstauglicher Name ist.

Ich hatte die Erfahrung ja schon letztes Jahr mit Thanu gemacht, der ebenfalls sehr schnell nach Karis Tod zu uns kam. Für mich ist das der richtige Weg. Die Trauer bleibt so oder so. Und der neue Hund braucht seine Zeit zum Einleben, die immer stressig ist.

Ein neuer Hund ersetzt niemals den verstorbenen, und das soll er auch nicht. Aber er nimmt etwas von der Leere und stellt einen vor neue Aufgaben. Die Trauer wird nicht weniger, aber man vergräbt sich nicht in ihr.

Über Neris Vergangenheit wissen wir kaum etwas. Sie war viereinhalb Jahre in dem Shelter, aus dem wir sie adoptiert haben. Sie kam dorthin schwer verletzt, zerbissen von anderen Hunden, aus einem anderen Shelter. Sie wurde gesund gepflegt und lebte fortan in einem Zwinger mit vielleicht einem halben Dutzend anderer Hunde. Sie hat eine kleine Narbe im Gesicht, und ihr fehlt ein Stück vom rechten Ohr. Sie hatte leichtes Übergewicht, als sie ankam, und O-Beine, von denen wir aktuell hoffen, dass sich das mit der Entwicklung der Muskulatur und viel Bewegung gibt.

Während ich dies schreibe, ist sie knapp vier Wochen hier und taut immer mehr auf. Mit Sookie und Thanu versteht sie sich gut.

Übrigens war sie direkt stubenrein, obwohl sie vermutlich niemals in einer Wohnung gelebt hat!

Neris Steckbrief

Name: Neri

Spitznamen: Fozzie, Neri-Poperi

geboren schätzungsweise zwischen 2012 und 2014

Gewicht: ca. 18 kg

Größe: ca. 45 cm

Was steckt drin? Gentest läuft!

Lieblingsfutter: n.a.

Lieblingsspiel: Sie macht erste zaghafte Rennspiele mit mir in der Hundeschule (eingezäuntes Gelände). Mit anderen Hunden traut sie sich noch nicht.

Lieblingsspielzeug: n.a.

Stärken: Stubenrein sofort und Wendeltreppe an Tag 2. Bis jetzt ist sie sehr freundlich zu anderen Hunden.

Schwächen: Sie ist momentan (natürlich) noch sehr unsicher. Nach so kurzer Zeit kann man einfach noch nicht viel über ihren Charakter sagen.

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