Don't breed or buy while shelter dogs die.

(Züchte oder kaufe nicht, solange Tierschutz-Hunde sterben.)

Thanu - auf Karis Spuren

Wenn ein Platz frei wird ...

Ich hätte nie gedacht, dass ich mal einen Hund aussuchen würde, ohne mich in diesen Hund verliebt zu haben, ohne dabei vor Vorfreude zu zerspringen, aufgeregt zu sein ... Bei Thanu war es so.

Kari starb so plötzlich, dass es für uns alle ein tiefer Schock war. Dennoch wusste ich bereits einige Tage später mit großer Klarheit, dass ich wieder einen Rüden zu den beiden Mädels haben wollte. Mein Herz war noch nicht bereit, eine Wahl zu treffen, und so tat ich es mit Vernunft. Oder zumindest etwas Ähnlichem.

Tausend traurige Augen

.. blickten mich an, während ich durch meine Facebook-Timeline scrollte. Ich sah einen jungen Rüden namens Odin, schaute auf seine Beschreibung, dachte: "ja, würde passen" und speicherte ihn mir ab. Tendenziell mag ich ältere, gefestigte Hunde lieber, aber mit einem Springinsfeld wie Sookie fand ich es nur fair, nach einem passenden Partner für sie zu schauen. Und das wäre eben ein junger, aktiver Hund.

Einen Tag darauf sah ich einen weiteren Rüden, der für uns in Frage kommen würde, und speicherte auch ihn ab. Bei Rüde Nummer 3 merkte ich, dass meine Methode Mist ist. Am Ende würde ich zehn oder zwanzig Hunde abgespeichert haben und müsste dann eine Wahl treffen. Schlechtes Gewissen gegenüber den nicht Ausgewählten inklusive.

Also machte ich kurzen Prozess und entschied mich für Odin. Mein Mann war einverstanden, auch wenn ihm die Idee, so schnell wieder einen neuen Hund zu holen, nicht ganz behagte.

Warum ich das tat? Es ging keine Sekunde darum, Kari zu ersetzen oder damit so schnell wie möglich zu vergessen. Ich wusste, die Trauer würde nicht weniger werden, aber eine neue Aufgabe und Ablenkung würde uns allen gut tun. Darüber hinaus bin ich mir sicher, dass Kari genau das gewollt hätte: Seinen Platz an jemanden vererben, der es genauso nötig hat wie Kari es damals hatte.

"Odin" fand ich für den eher zarten Rüden nicht so passend, daher verpasste ich ihm (nach stundenlangem Grübeln) den Namen Thanu (welcher der eines Engels der Nacht ist). Im Nachhinein muss ich sagen, dass dieser etwas fremdartig klingende Name perfekt passt zu einem Hund, der so nach Husky aussieht. Der Gentest steht noch aus...

Thanus Steckbrief

Name: Thanu

Spitznamen: Thanu, Herr Thanu, Thanu-Propanu

geboren wahrscheinlich im März 2017

Gewicht: ca. 20 kg

Größe: ca. 55 cm

Was steckt drin? Ich hätte eine Menge darauf gewettet, dass er ein Husky-Mix ist. Der Gentest brachte es ans Licht: Null Husky. Dafür je 25% Deutscher Schäferhund, Kurzhaar-Collie und Jack-Russell-Terrier. Der Rest war nicht zu identifizieren.

Lieblingsfutter: Alles. Er LIEBT Essen und ist (nicht nur in dieser Hinsicht) damit ein würdiger Nachfolger für Kari. Kari wäre stolz auf ihn!

Lieblingsspiel: mit Sookie rennen; er spielt aber auch gern Verfolgungsspielchen mit mir.

Lieblingsspielzeug: Sookie

Stärken: Pflegeleicht ab Tag 1. Er war auf Anhieb stubenrein. Es dauerte nicht lange, bis er ganz gut an der Leine lief. Mit anderen Hunden ist er  gut verträglich. Er erträgt Sookies Spiel-, Knabber- und Beißattacken mit stoischer Gelassenheit. Er ist ein Streber in der Hundeschule. Und er ist ein Meister der Entspannung! Wenn er sich zu uns auf die Couch legt, können wir seine Beine durchschütteln und bewegen, und er lässt wunderbar locker. Er ist mittlerweile super verschmust, hat auch seine Scheu vor Fremden abgelegt und lässt sich gerne streicheln und kraulen.

Schwächen: Nach ein paar Monaten fing er an, mit anderen Rüden herumzustänkern. Das aber glücklicherweise in einem moderaten Rahmen, so dass wir mittlerweile wissen, wie wir damit umgehen müssen. Das "Rezept" ist eigentlich sehr einfach: Es genügt, wenn Thanu bei der ersten Begegnung an der Leine bleibt, kontrollierten Kontakt zu dem anderen Rüden aufnimmt, und dann können wir ihn schon nach ein paar Minuten ableinen. Mit diesem Vorgehen ist bisher immer alles super gelaufen.

Thanus Geschichte - auf Welpenpfoten in den Hundeknast

Thanu wurde mit seinen Brüdern in einem Sack auf einem Pferdekarren von einem Bauern in das rumänische Shelter "Casa Mama Rosa" gebracht. Sinngemäß mit den Worten: "Entweder nehmt ihr sie, oder ich mach sie tot." Zu diesem Zeitpunkt waren die vier Welpen vielleicht gerade acht Wochen alt.

Sie lebten ein paar Wochen/Monate im Welpenkindergarten. Alle erkrankten an Parvovirose. Odin/Thanu war der einzige der vier Geschwister, der überlebte. Als er größer wurde, musste er in den Zwinger umziehen und lebte fortan mit fünf bis sieben anderen Rüden dort.

Wer sich mit dem Thema noch nicht auseinandergesetzt hat, kann sich vielleicht gar nicht vorstellen, was das bedeutet. In diesem Shelter, aber auch in nahezu allen anderen, leben mehrere hundert Hunde. Da bleibt keine Zeit für Spiel oder Zuwendung. Es wird das Nötigste getan: Futter, Wasser, sauber machen. Ende. Für mehr ist weder Zeit noch Geld da. Niemand kommt und geht mit diesen Hunden spazieren. Das heißt, sie kennen weder ein Halsband/Geschirr noch eine Leine oder gar das Leben in einer Wohnung, keine Treppen, Rasenmäher, Fahrradfahrer - kurz: Was für uns Alltag ist, ist für diese Hunde eine wahnsinnig große Herausforderung.

Ich war also auch bei Thanu auf alles gefasst, aber er überraschte uns alle. Innerhalb kürzester Zeit lebte er sich ein, integrierte sich in unsere Gruppe und machte alles mit, was man von ihm erwartete. Radfahrer, Jogger, Pferde, Kinderwagen - alles kein Problem für ihn. Wobei dabei sicherlich auch eine Rolle spielt, dass zwei andere Hunde da sind, an denen er sich orientieren kann und dadurch viel schneller lernt, dass nicht alles so bedrohlich ist, wie es zunächst scheint.

Er ist grundsätzlich auch kein ängstlicher Typ, sondern eher vorsichtig. Wenn ihm etwas nicht behagt, zieht er sich zurück oder hält Abstand, lässt sich in den meisten Fällen aber auch überreden, doch mal näher zu kommen und zu schauen.

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